Sonntag, 24. April 2016

PRINCE

Als ich 1986 zum ersten mal in der Musiksendung „Formel eins“ das Video zu „Kiss“ sah, zeigte ich mich etwas verblüfft, dass hinter Stimme, die seit einigen Tagen erklang, sobald man das Radio einschaltete, dieser schnurrbärtige Mann mit der kurzgeratenen Lederjacke und der Elvistolle steckte. Für einen sechsjährigen war es durchaus befremdlich warum ein Mann mit einer so hohen Falsettstimme singt, und selbst meine Eltern konnten mir am Frühstückstisch bei dieser Frage nicht wirklich weiterhelfen. Doch trotz oder vielleicht auch wegen dieser anfänglichen Irritation fing ich an diesen einzigartigen Song zu lieben. So sehr, dass Tom Jones bei mir erstmal unten durch war, als er zwei Jahre später seine Coverversion in normaler Stimmlage herausbrachte (was sich inzwischen auch wieder geändert hat). So sehr, dass ich heute noch die Tanzfläche stürme, sobald das Gitarrenintro dieses Lieds ertönt, egal auf welcher Hochzeitsparty oder in welcher heruntergekommenen Spelunke ich mich gerade befinde.
Damals wußte ich noch nicht, dass vor dieser Singleauskopplung des Albums „Parade“, bereits 7 Alben von Prince veröffentlicht wurden, darunter eines der bedeutendsten Alben der Popgeschichte, „Purple Rain“, welches sich bis heute über 20 Millionen mal verkaufte, 2 Grammys und einen Oscar abstaubte und den 1,58 m großen Prince endgültig zu einem der ganz Großen der Popszene werden ließ. 
Es zogen ein paar Jahre ins Land, bevor ich in meiner Jugend beim Durchstöbern der unendlichen CD-Sammlung meines Bruders auf weitere Werke wie den vor Sex strotzenden Nummer-1-Hit „Cream“,  das Skandalstück „Sexy MF“, die 80er-Hymne „Little Red Corvette“ oder die softe R&B-Ballade „The Most Beautiful Girl“ stieß. Allein die kleine Auswahl dieser Songs verdeutlicht, wie wenig das Mysterium Prince greifbar ist und wie unmöglich es ist, diesen Künstler und seine Musik in eine Schublade zu stecken oder einem Genre zuzuordnen. Er scheute nicht davor innerhalb einer Platte zwischen Funk, Rap und Rock zu wechseln, er schien sich in jedem Genre zuhause zu fühlen. Wenn Michael Jackson den Titel „King of Pop“ innehat, dann war Prince der „King of Music“. Das Ausnahmetalent galt nicht nur als begnadeter Sänger, Songwriter und exzentrischer Entertainer sondern ebenso als einer der besten Gitarristen der Welt, ganz zu schweigen von den ungefähr 30 Instrumenten die er sonst noch beherrschte und auf seinen Alben (mit wenigen Ausnahmen) selbst einspielte. In den letzten Tagen verbreitete sich auf Twitter ein Zitat von Eric Clapton, der auf die Frage wie es sich anfühle, der beste Gitarrist der Welt zu sein, antwortete: „I don´t know, ask Prince!“. Es handelt sich dabei sehr wahrscheinlich um ein Fake-Zitat, doch wer Prince´ Gitarrensolo zu „While my guitar gently weeps“ bei George Harrisons Aufnahme in die Hall of Fame im Jahr 2004 sah, könnte sich gut vorstellen, dass es sich doch so zugetragen hat. So faszinierten mich Mitte der 90er als Hardrock-Fan auch die gitarrenlastigen Songs der Alben „The Gold Experience“ und „Chaos & Disorder“ (z.B. "Endorphinmachine"), die für mich trotz des kommerziellen Flops des letztgenannten Albums eine Art Demonstration darstellten, nach dem Motto ‚Wenn ich Lust darauf hätte, könnte ich auch das beste Hardrock-Album aller Zeiten rausbringen. Wenn ich Lust darauf hätte, könnte ich bei Guns N´Roses die Leadgitarre übernehmen und bei Aerosmith Steven Tyler ersetzen.‘ 
Der Perfektionist strebte stets die volle kreative Kontrolle über seine Alben an, die er dazu noch selbst produzierte, was ihm bei seiner Plattenfirma Warner Bros. Records mit der Zeit bekanntermaßen nicht nur Freunde einbrachte. Jahrelang führte Prince teils öffentlich einen Kampf für seine Unabhängigkeit und gegen seine Plattenfirma, indem er seinen Namen zu einem unaussprechlichen Symbol änderte, sich bei Auftritten und Fotoshootings „Slave“ auf die Wange malte, in seinen Musikvideos die Plattenchefs als Ausbeuter darstellte („The same December“) und sich den üblichen Marketingstrategien widersetzte. Seine Schaffenskraft, Energie und Kreativität waren so unerschöpflich, dass er jedes Jahr mindestens eine Platte wenn nicht sogar mehrere produzieren wollte und insgesamt sage und schreibe 39 Studioalben herausbrachte. Warner Bros. versuchte ihn dagegen zu bremsen und Zwangspausen zu verordnen um ein Album konventionell zu vermarkten. In der Folge veröffentlichte er parallel bei anderen Labels Alben, oder verteilte sie gratis bei Konzerten um seine Plattenfirma zu düpieren und dabei als Pionier ganz neue Marketingwege zu gehen. So erkannte er als der erste populäre Interpret die Möglichkeiten des Internets und stellte nach der Erfüllung seines Vertrags bei Warner Bros. einige Alben in den Folgejahren ausschließlich auf seiner Homepage als Download bereit und war dadurch seiner Zeit weit voraus.
„Musicology“, das von den Kritikern hochgelobte Album, das ihm nach längerer Zeit auch wieder kommerziellen Erfolg einbrachte, war das letzte Album, das ich mir komplett runtergeladen habe. Ich muss gestehen, dass ich danach den musikalischen Werdegang von Prince etwas aus den Augen verloren habe, von einigen Songs wie z.B. „FIXEURLIFEUP“, den er mit seiner neuen Band 3rdEyeGirl produzierte, abgesehen. Vor allem in Europa war Prince im letzten Jahrzehnt immer weniger zu fassen, vertrieb Alben oft spontan beispielsweise als Beilage zu Zeitschriften und Büchern anstatt auf dem normalen CD-Markt und kündigte Konzerte meist nur wenige Tage vorher an, wobei gerade die Deutschland-Konzerte sehr rar gesät waren.
Im Nachhinein reut es mich doch etwas, nie die Chance gesucht zu haben, diesen schillernden Ausnahmekünstler live zu erleben. Man merkt leider meist zu spät, wie glücklich man sich schätzen konnte, zeitgleich mit einem der größten Genies der Popgeschichte diesen Planeten zu bewohnen, so wie unsere Eltern noch von Elvis Presley und Jimi Hendrix schwärmen können. Also erfreuen wir uns besser noch an all den Legenden wie Paul McCartney, Mick Jagger, Iggy Pop, Eric Clapton, Eddie van Halen und wie sie noch alle heißen, die hoffentlich noch lange unter uns weilen, bevor wir irgendwann mit Justin Bieber und David Guetta allein gelassen werden. 
Rest in Peace, Prince Rogers Nelson. Thank you for the Music!


Samstag, 2. April 2016

GUNS N' ROSES - REUNION - TROUBADOUR

Es ist noch gar nicht lange her, da speiste Axl Rose die zum millionsten mal gestellte Frage nach einer Reunion der „wahren“ Guns N’ Roses mit den Worten „Not in this Lifetime“ ab. Nun ist tatsächlich das Unmögliche wahr geworden und scheinbar ein neues Leben für die Band angebrochen: zum ersten mal seit 23 Jahren teilen sich die ewigen Streithähne Axl Rose und Slash in diesem Moment im Troubadour in L.A. wieder die Bühne! (Falls Axl nicht wieder ein paar Stunden zu spät auftaucht weil er sich nicht von einem Videogame lösen kann). Seit Monaten kursierten die Gerüchte um eine Reunion, bis schließlich die Bestätigungen einiger Gigs in Las Vegas und beim Festival in Coachella erfolgten. Gestern kündigte die Band auf Facebook und Twitter dann überraschend eine Woche vor dem offiziellen ersten Gig einen spontanen Auftritt im Club Troubadour an, wo 1985 die gemeinsame Geschichte begann. Die wenigen Fans, die sich vor Ort eins der limitierten Tickets ergattern konnten, durften erleichtert sein, dass es sich nicht um den größten Aprilscherz der Rockgeschichte handelt. Zeitgleich wurden die Termine für die Tour in Nordamerika veröffentlicht, die ironischerweise den Titel „Not in this Lifetime“ trägt. Erinnerungen an „The Eagles“ werden wach, die 1994 unter dem Motto „Hell freezes over“ eine Comeback-Show gaben, nachdem sie zuvor jahrelang proklamierten, dass eher die Hölle zufrieren würde. 
Die Bandbesetzung neben Axl, Slash und Duff dürfte somit auch in den nächsten Stunden geklärt sein. Da sowohl der bisherige Drummer Frank Ferrer, als auch Steven Adler in der Location gesichtet wurden, geht man von einigen Gastauftritten von Steven Adler aus, evtl. wird sogar Izzy Stradlin bei ein paar Konzerten auftauchen so wie er es bereits in den letzten Jahren getan hat. 
Ich hoffe, dass in Kürze weitere Tourdaten für die restliche Welt bekanntgegeben werde und versetze mich im Moment ein bißchen voller Neid in die glücklichen Fans, die im Moment die berühmten Worte hören dürften „You know where you are?“…




Mittwoch, 2. März 2016

NITA STRAUSS - IBANEZ GUITAR CLINIC MÜNCHEN

IBANEZ beschert den Gitarrenfreaks in Europa zur Zeit ein besonderes musikalisches sowie optisches Highlight und bringt im Rahmen der Ibanez Wide Variety Tour 2016 den aufkommenden Stern NITA STRAUSS in auserwählte Musikläden, wo sie in intimer Atmosphäre ihr Talent unter Beweis stellt. Nita Strauss belegt in der Liste der bedeutendsten Gitarristinnen den ersten Platz und tourte unlängst als neues Mitglied der ALICE COOPER Band im Vorprogramm von MÖTLEY CRÜE um die Welt nachdem sie vor allem durch die weibliche Coverband THE IRON MAIDENS ins Musikgeschäft einstieg. Zudem spielt sie auch völlig berechtigt bei der Wahl der „Hottest Chicks in Hard Rock“ stets eine ganz große Rolle…
Ob deswegen das Publikum, das sich am Freitag Abend in die kleine schnucklige Münchner Bar X-CESS quetscht zu gut 90 % aus männlichen Fans besteht oder ob es an der von Nita Strauss beschriebenen Problematik liegt, dass es generell immer noch weniger Gitarristinnen gibt, da diese ein schweres Los gezogen haben, gegen die männliche Konkurrenz und Vorurteile zu kämpfen, kann man nicht mit Gewissheit sagen. Jedenfalls erleben die Teilnehmer eine bestens gelaunte Nita Strauss, die mit ihrer natürlichen und erfrischenden Art und ihrer beeindruckenden Fingerfertigkeit alle in ihren Bann zieht. Starallüren - Fehlanzeige! Und das obwohl sie vor kurzem mit legendären Kalibern wie Alice Cooper oder Steven Tyler die Bühne teilte. Der Funke springt in der intimen Atmosphäre somit schnell auf die Gäste über, die während der Kostproben „The Trooper“ von IRON MAIDEN (begleitet von KISSIN´ DYNAMITE-Gitarrist Jim Müller) sowie „Eighteen“ und „Poison“ von ALICE COOPER lauthals mitgrölen. Das Publikum wird von Nita später auf ihrem Twitter-Account sogar als das lauteste der ganzen Clinic-Tour ausgezeichnet. Das  Metalgirl aus LA spielt sich geradezu in Ekstase, wirft die blonde Mähne nach hinten und strahlt während ihrem Spiel immer wieder über das ganze Gesicht. Diese Frau hat definitiv Spaß an dem was sie tut! So schwärmt sie auch, wie großartig es für sie ist, durch Europa zu reisen und mit den Fans über ihre Lieblingsbeschäftigung zu diskutieren. Zwischen den Songs steht sie dem Publikum Rede und Antwort und gibt zahlreiche Tipps und Einblicke in ihr Leben. Mit 13 Jahren begann sie sich der Gitarre zu widmen und ihrem Idol STEVE VAI nachzueifern, die erste Gitarrenstunde hatte sie jedoch tatsächlich erst vor 2 Jahren. Nachdem sie für Alice Cooper vorspielte, entgegnete man ihr, dass sie keine klassische Rockgitarristin sondern eine Shred-Gitarristin sei. Also nahm sie zum ersten mal die fremde Hilfe eines Gitarrenlehrers in Anspruch und studierte innerhalb 2 Wochen das komplette Programm von Alice Cooper ein. Sie hofft, dass andere von ihren Fehlern lernen, und sich nicht vor anderen Genres und Ratschlägen anderer verschließen. So hatte sie nie Scheu davor, während Tourneen an der Umkleidekabine prominenter Kollegen wie beispielsweise SKID ROW zu klopfen um nach einem bestimmten Riff oder einer Spieltechnik zu fragen. Sie hat sich schon immer mit den besten aus der Branche gemessen, orientierte sich nicht an den bekannten Gitarristinnen oder dem besten Gitarristen ihrer Schule, sondern an ihrem großen Vorbild Steve Vai. „Think in big pictures!“ rät sie. Dabei gäbe es jedoch kein richtig oder falsch, jeder hat seine eigene individuelle Spielweise oder Technik, die er sich intuitiv angelernt und angewöhnt hat. Vor allem dürfe nicht der Kopf bzw. zu viele Gedanken das Gitarrenspiel beeinflussen und beeinträchtigen, es wird allein durch die Finger und das Herz bestimmt. So schaltet sie ihre Gedanken vollkommen ab während sie auf der Bühne vor tausenden von Menschen ihr Solo spielt und lässt sich von der Kulisse nicht erschrecken. „Wenn ich das Solo vor 5 Leuten spielen kann, dann kann ich das gleiche genauso gut vor 10 000 Leuten“, berichtet sie voller Überzeugung. An dem Solo an sich ändere sich schließlich nichts. Falls man auf der Bühne Unsicherheit beim Solo besitzt oder 5 Minuten vor der Show nochmal die Noten durchgehen muss, ist das nur ein Zeichen, dass man nicht hart genug geübt hat, sagt sie mit strengem Blick und sofort beschleicht mich ein schlechtes Gewissen… Selbst mit verbundenen Augen oder kurz nachdem man aus dem Schlaf gerissen wurde, müsse man seinen Part fehlerfrei beherrschen. Allerdings nötigt ihr es schon eine ganze Menge Disziplin ab, sich in einer Band mit insgesamt 3 Gitarristen auf ihren Part zu beschränken und nicht unnötige Noten zu spielen um zusammen keinen unsauberen Soundbrei zu erzeugen. Sie gibt zu, dass sie am liebsten natürlich immer volles Brett spielen würde und feuert dabei zu Demonstrationszwecken mit einem verschmitzten Lächeln den Riff von „Billion Dollar Babies“ ab und lässt ihre Ibanez ungehalten aufheulen. Natürlich wird auch noch ein bißchen Werbung für die Firma gemacht, für die sie momentan durch Europa reist, und Nita Strauss preist ihre besonders schmale und leichte Sonderanfertigung an, die ihr ermöglicht, sich voll und ganz auf ihr Spiel zu konzentrieren und die manchem Kollegen die ihr Model ausborgte einen neidischen Kommentar abrang, weil sie so einfach zu spielen ist. 
„It’s important to fall in Love with your instrument over and over again“ gibt sie ihren Jüngern, die an ihren Lippen kleben mit auf den Weg. Bevor es zur Autogrammstunde übergeht, greift sie nochmal zu ihrer Gitarre und spielt den ersten Alice Cooper Song den sie im Radio hörte: Poison. 
Ich bin gespannt welchen Werdegang Nita Strauss noch nehmen wird, ein eigenes Soloalbum ist bereits angekündigt, auf dem bestimmt einige prominente Gäste vertreten sein werden. Wenn sie ihre Natürlichkeit behält, wird sicher noch vieles von ihr zu hören sein. Doch nun heißt es für mich erstmal üben, üben, üben … es wartet viel Arbeit ;)



Dienstag, 1. März 2016

STEEL PANTHER - Akustikalbum und Tour

Steel Panther stimmt ungewöhnlich leise Töne an. Am Freitag wurde das erste Unplugged-Album „Live from Lexxi´s Mom´s Garage“ veröffentlicht, auf dem die Glamrocker neben einem neuen Hit namens „That's when you came in“ eine Song-Auswahl ihrer letzten 3 Alben auf der Akustikklampfe neu interpretieren. Besonders zu empfehlen ist dabei die extrem groovige Version von „Death to all but Metal“. Wem das reine Hörvergnügen nicht ausreicht, kann auf der ebenfalls erhältlichen Live-DVD mitverfolgen, wie sich das natürlich rein weibliche Publikum von den akustischen Klängen erweichen lässt und in der intimen Atmosphäre der vermeintlichen Garage dahinschmilzt. Und für alle die dagegen auf die volle elektrische Dröhnung stehen, wurden fast zeitgleich zur Veröffentlichung neue Tourdaten für Europa bekannt gegeben. So ist auch dieses Jahr darauf Verlass, dass sich die Jungs von Steel Panther wieder in Deutschland blicken lassen. Ich freue mich auf mein persönlich 8. Steel-Panther-Konzert und leg allen Metalfans die mit einer ordentlichen Portion Humor ausgestattet wurden die folgenden Tourdaten ans Herz:

06.08.16 Wacken Open Air
19.08.16 Dinkelsbühl - Summer Breeze Festival

30.09.16 München - Zenith
01.10.16 Berlin - Huxleys Neue Welt 
02.10.16 Hamburg - Große Freiheit 36
04.10.16 Köln - Palladium
05.10.16 Offenbach - Stadthalle
07.10.16 Stuttgart - Porsche-Arena




Montag, 11. Januar 2016

DAVID BOWIE

Leider erscheint auf meiner kleiner Blogseite bereits der dritte Abschiedspost in Folge. Nur wenige Zeit nach Lemmys Tod trauert die Musikwelt um eine weitere großartige Rocklegende: David Bowie hat kurz nach seinem 69. Geburtstag und der Veröffentlichung seines neuen Albums "BLACKSTAR" den Kampf gegen die Krebserkrankung verloren und hinterlässt in der Musikszene eine riesengroße Lücke.
Ich muss zugeben, nie ein bewusster "Hardcore-Fan" gewesen zu sein, doch wie sicher jeder der sich für Pop- und Rockmusik begeistert, hatte auch ich immer den allergrößten Respekt vor dieser Ausnahme-erscheinung und seinem künstlerischen Lebenswerk und war mir seiner enormen Bedeutung für das Musikgeschehen der letzten Jahrzehnte bewusst. Es gibt wohl kaum eine Band, die nicht auf irgendeine Weise von Bowie beeinflusst und inspiriert wurde, dementsprechend viele Trauerbekundungen seiner Kollegen - von Iggy Pop bis Mick Jagger - wurden heute im Netz veröffentlicht. Mich persönlich hat vor allem die Glamrock- und Ziggy-Stardust-Phase von Bowie mitgerissen, der sich als "Chamäleon des Pop" immer wieder neu erfand und vor keinem Genre zurückschreckte. 
Auf seinem aktuellen hochgelobten Album scheint er bereits Abschied zu nehmen. "Look up here, I'm in heaven" lauten die Zeilen der letzten Single "Lazarus".
Rest in Peace, David Bowie!


Montag, 4. Januar 2016

RIP MÖTLEY CRÜE

Das war es. 
Nach 34 Jahren Bandgeschichte, einer zweijährigen Abschiedstour und einem allerletzten Konzert am Silvesterabend in L.A., hat sich meine Lieblingsband Mötley Crüe tränenreich von der Bühne verabschiedet. Zeit für einen persönlichen (Warnung:) nostalgischen und sentimentalen Rückblick meinerseits! 
Es war im Jahr 1991 als die Highschool-Komödie „Wie der Vater, so der Sohn“ über den elterlichen Röhrenfernseher flimmerte und nach etwa der Hälfte des Films Schauspieler Dudley Moore die Stereo-Anlage aufdrehte und zu „ALL IN THE NAME OF…“ auf dem Esstisch kreischend und umhersprang. Der prägnante Beat in Verbindung mit diesem durchdringenden Rock’n’Roll-Riff und der kreischenden Rockröhre hat mich so gepackt, dass ich in meiner jugendlichen Euphorie am liebsten ebenfalls auf den nächsten Tisch springen wollte. Stattdessen hab ich den Abspann abgewartet, rannte mit dem notierten Bandnamen „MÖTLEY CRÜE“ zum nächsten CD-Verleih (ja sowas gab es damals, lange vor iTunes und Youtube) und holte mir das entsprechende Album „GIRLS, GIRLS, GIRLS“. Wenig später erkannte ich, dass ein anderes Album dieser Gruppe schon seit Wochen über die Boxen meines Bruders lief: DR. FEELGOOD! Also plünderte ich die CD-Regale meine Bruders und des lokalen Musikgeschäfts und ließ die Lieder auf meinem Discman rauf und runter spielen - ich hatte schließlich 10 Jahre aufzuholen! Vor allem der rohe ungebändigte Gitarrensound von Mick Mars´ immer wieder aufheulender Stratocaster und Vince Neils hohe und charakterstarke Stimme faszinierte mich von Anfang an. Auch wenn die Songs vielleicht nicht die Genialität mancher Werken von Guns N’ Roses aufweisen, zogen mich mich diese rotzigen kompromisslosen Stücke à la „TOO FAST FOR LOVE“ und „KICKSTART MY HEART“ oder die eingängigen Glam Metal-Songs wie „SAME OL’ SITUATION“ genauso in den Bann wie das Auftreten der aufsässigen Rebellen, die das „Sex, Drugs & Rock'n'Roll“-Motto bis zum exzessiven Überdruss verkörperten (nachzulesen in der berüchtigten Biographie „The Dirt“). Das Erscheinungsbild bewegte sich zwischen The Sex Pistols, Van Halen und Mad Max, wobei sich Mötley Crüe doch von Album zu Album sowohl musikalisch als auch outfittechnisch immer wieder neu erfand, ohne dabei die Wurzeln ihrer Musikrichtung aus den Augen zu verlieren. 
Doch wie sich herausstellte, hatte ich mir nicht den besten Zeitpunkt ausgesucht, um mich in diese Band zu verlieben. Bereits ein Jahr später wurde Sänger Vince Neil wegen Streitigkeiten mit den restlichen Mitstreitern kurzerhand gefeuert. Es gelang mir, ein Jahr lang das neue Album „MOTLEY CRUE“ mit Ersatzmann John Corabi zu boykottieren. Im Nachhinein muss ich zugeben, dass auch diese Platte eine prächtige ist, die einige Schmuckstücke enthält, doch komplett war die Band für mich nur in der originalen Besetzung. Vier so unterschiedliche Persönlichkeiten, die sich im Laufe der Jahre liebten und haßten, sich prügelten und versöhnten und in Kombination zu viert eine wahnsinnig explosive Energie versprühten. Tommy Lee, das chaotische und impulsive Riesenbaby, Nikki Sixx der Songwriter und Denker, Mick Mars der düstere und eigentlich völlig liebenswerte Eigenbrötler und Vince Neil der wasserstoffblonde Sunnyboy und Lebemann. 
Dementsprechend ließ ich einen Jubelschrei los, als ich im Jahr 1997 zufällig auf die neue Single „Afraid“ des Albums „GENERATION SWINE“ gestoßen bin und meinen Ohren kaum glauben konnte: Vince ist zurück! So kam es, wie ich es nicht mehr für möglich gehalten hatte, dass ich meine Helden tatsächlich wiedervereinigt live erleben durfte! Zum ersten mal im Jahr 2005 bei Rock im Park (Mötley Crüe hab ich somit auch mein erstes Rockfestival und meine folgende Festival“karriere“ zu verdanken) und in den Folgejahren vier weitere Male, u.a. in Wembley und ein allerletztes mal während der Abschiedstour in Stuttgart! (siehe Konzertbericht) 
Auch wenn die Bad Boys aus L.A. in Deutschland fast in Vergessenheit geraten sind („Da spielt Tommy Lee mit“ - „Achso!“), sich die Youtube-Gemeinde über Neils wachsende Pfunde auslässt und die Musik von manchen Kritikern für überholt erklärt wurde, hörte mein Herz nie auf für Mötley Crüe zu schlagen und ihre Lieder begleiteten mich in den letzten 24 Jäheren durch sämtliche Lebenssituationen und katapultierten mich notfalls aus manchem Stimmungstief. Es verging wohl kaum ein Tag, an dem ich nicht mindestens einem Crüe-Song zuhörte, egal ob ich mich zuhause, am Strand von Ibiza oder in Shanghai befand und daran wird sich in Zukunft wohl auch nichts ändern. Trotzdem beschleicht mich eine gewisse Traurigkeit, dass diese Bandgeschichte nun zu Ende erzählt und das letzte Kapitel geschlossen wurde. Als Trost bleiben die neuen Soloprojekte wie Sixx:A.M., sowie die angekündigte Veröffentlichung des finalen Konzerts auf DVD ... und darüberhinaus die leise Hoffnung, Mötley Crüe möge in Zukunft ein weiteres Mal die Regeln brechen …
Bis dahin: RIP MÖTLEY CRÜE! 





Dienstag, 29. Dezember 2015

RIP Lemmy Kilmister

Eine ganz große und bedeutende Hardrock-Legende hat am 28.12.2015 traurigerweise das Zeitliche gesegnet: Lemmy Kilmister. Es hat sich in den letzten Jahren und vor allem Monaten angedeutet, dass sein Gesundheitszustand nicht der beste ist und man in naher Zukunft leider damit rechnen muss, dass der Motörhead-Gründer nicht mehr lange unter uns weilt. In diesem Jahr durfte er noch das 40jährige Jubiläum seiner Band feiern und lieferte das geniale Album „Bad Magic“ ab, das hierzulande tatsächlich die Chartspitze stürmte! Ich durfte Lemmys berühmte Whiskey-Stimme und seinen höllisch lauten Bass zweimal bei Rock im Park live erleben. Sein Tod wird zugleich das Ende von Motörhead bedeuten, man wird sehn ob evtl. ein Tribute-Konzert folgen wird, da es unter den aktuellen Bands doch unzählige Motörhead-Jünger und Freunde und Bewunderer von Lemmy gibt.
Ich werde es nun so handhaben, wie es die restliche geschockte Motörhead auf ihrer Seite empfiehlt, "Ace of Spades" ganz laut aufdrehen und mir einen Drink auf Lemmy genehmigen!
Rest in Peace, Lemmy!


Freitag, 13. November 2015

MÖTLEY CRÜE - Konzertbericht Schleyerhalle Stuttgart

Ein letztes „Wow!“ kreischt Frontman Vince Neil nach der Zugabe „Home Sweet Home“ ins Mikro und nach einem gigantischen Spektakel voller Explosionen, Feuer, Konfetti, einigen Runden Bier und altbekannter Metal-Hits, kann ich mich dem nur anzuschließen und glückselig feststellen, dass dieser Abend wohl zu den besten meines Lebens gehört. Mit einem großen Knall verabschiedet sich Mötley Crüe im Rahmen ihrer Abschiedstournee vom deutschen Publikum in Stuttgart, die leisen Töne waren auch nie so wirklich ihr Ding. 
Doch alles der Reihe nach! Wie ein kleines Kind vor Weihnachten zählte ich schon seit Monaten die Tage runter, bis ich mich von meiner langjährigen Lieblingsband, deren Songs mich seit 24 Jahren begleitet haben (die ersten 10 habe ich verpasst), Abschied nehmen kann. Also muss ich zugeben, dass von mir vermutlich kein objektiver Bericht zu erwarten sein wird, doch selbst als neutraler Beobachter dürfte man sich äußerst schwer tun nach diesem Konzert einen Grund zum Meckern zu finden. Der einzige Wermutstropfen ist die höchstens halb gefüllte Schleyerhalle, und das 2 Tage nachdem die Truppe in London eine ausverkaufte Wembley-Arena zum Kochen brachte. Zum einen wurden die deutschen Fans mit einer zwischenzeitlichen 12-jährigen Abwesenheit der Band in den letzten Jahrzehnten wohl zu sehr vernachlässigt, zum anderen dürften die Ticketpreise über 80 Euro so manchen sparsamen Schwaben abgeschreckt haben. Doch es ist mitnichten so, dass die Stimmung darunter leidet - im Gegenteil, man kann davon ausgehen, dass es sich bei dem erlesenen Kreis um wahre Crüeheads handelt, die jedes Lied lauthals mitgrölen und mit „Crüe“-Rufen die Glamrocker frenetisch feiern. 
Zur guten Stimmung (und bestimmt auch zu den hohen Preisen) trägt unter anderem natürlich auch die „Vorband“ Alice Cooper bei - wann kommt man schon mal in den Genuss, den Meister des Gruselrocks im Vorprogramm zu erleben. Die Show und die Setlist wurde in der Rolle des Supporters zwar etwas abgespeckt, doch bei einer leicht reduzierten Alice Cooper Show bedeutet das immer noch eine musicalartige Horrorshow inklusive eines 5 Meter großen Frankensteinmonsters, einer lebenden Boa und der obligatorischen Hinrichtung durch die Guillotine. Musikalisch feuert der stimmlich immer noch überzeugende Endsechziger Alice Cooper seine größten Hits wie „No more Mr. Nice Guy“, „Poison“, „I´m Eighteen“ und „Schools Out“ ab und wird dabei von seiner hervorragenden Band begleitet, die mit 3 Gitarren für einen gewaltigen Sound sorgt. Vorneweg die hinreissende Nita Strauss, die blitzschnell herumwirbelt und den Beweis liefert warum sie derzeit in diversen Listen der heißesten und talentiertesten Gitarristinnen den ersten Platz belegt!
Was danach folgt, macht nicht den Eindruck als würde man einen Rockdinosaurier in den letzten Atemzügen sehen, die (größen)wahnsinnige Show macht vielmehr den Anschein als hätte Mötley Crüe erst letzte Woche ihr Hitalbum „Dr. Feelgood“ an die Chartspitze geschossen. Mit „Girls, Girls, Girls“ stürmen die Kings of Glam Metal die Bühne und präsentieren ein Konzert der Superlative, welches das exzessive und dekadente Leben der Bad Boys aus L.A. eins zu eins widerspiegelt. Immer wieder sprühen Flammen aus Metallspitzen, explodieren im Rhythmus Feuerwerkskörper im Hintergrund, betreten leichtbekleidete Backgroundsängerinnen die Bühne (u.a. Tommy Lees Verlobte Sofia) während Mick Mars seine Gitarre dämonisch aufheulen läßt, Tommy Lee auf die Drums drischt, Nikki Sixx zu „Shout at the Devil“ aus seinem Bass Flammen in den Himmel schickt und Vince Neil sich die Seele aus dem Leib schreit und über die Bühne rast, als wäre er noch 20 Jahre jünger und 20 Kilo leichter als es die Wirklichkeit erscheinen lässt. Generell sitzt alles auf den Punkt genau, die Kinderkrankheiten der ersten Gigs der Abschiedstour wurden behoben, die Crüe wirkt deutlich motivierter als bei ihrer letzten Deutschland-Tour im Jahr 2012, als Vince in Bamberg stocksauer die Bühne verließ, nachdem ihn ein Bierbecher traf und kurzerhand 3 Hits aus der Setlist strich. Diesmal findet man immer wieder ein Lächeln auf seinen Lippen (vor allem als sich bei „Looks that kill“ eine junge Dame vor seinen Augen entblößte). Jeder der Bandmitglieder bekommt dabei eine Plattform, um sich auf seine Weise zu präsentieren und die Interaktion mit den Fans zu suchen. So stellte Tommy Lee voller Stolz seinen Lebenstraum vor: eine Art Achterbahn auf der er sich um die eigene Achse drehend über die Köpfe der Zuschauer „fliegt“ und dabei zu Elektro- und HipHop-Beats das wohl dekadenteste Drumsolo der Rockgeschichte gibt, das Tommys Rockstar-Ego wenigstens annähernd gerecht wird. Die Menge rastet begeistert aus und sehen über den Musikbruch wohlwollend hinweg. Ob Eifersüchteleien und eine Art Wettrüsten dazu geführt haben, dass sich Bandgründer Nikki Sixx und Frontman Vince Neil für die letzte Phase der Abschiedstour noch zwei riesige Roboterarme installieren ließen, mit denen sie zum Finale des größten Hits „Kickstart my Heart“ durch die Halle schweben ist nicht bekannt, jedenfalls ist es ein imposanter Anblick die zwei in der Höhe thronen zu sehen während im Hintergrund die Bühne in die Luft zu fliegen scheint. 
Den größten Effekt erzielt für mich jedoch die geniale Idee, die Zugabe „Home Sweet Home“ auf einer winzigen Bühne inmitten der Halle in intimer Atmosphäre von den Zuschauern umringt zu spielen und damit nicht nur an die Anfänge der Band zu erinnern, als sie noch kleine Clubbühnen bespielte, sondern sich mit einem letzten emotionalen Höhepunkt von ihren Fans zu verabschieden. 
Am nächsten Morgen wache ich mit dem Gefühl auf, einen sehr kranken abgefahrenen Traum gehabt zu haben, doch als ich meinen neues Merchandising-Shirt und den leeren Geldbeutel entdecke, weiß ich, dass ich in Zukunft voller Inbrunst Nikki Sixx´ Worte zitieren kann: „Fuck You! I´m a Crüehead and I was at the last fuckin´ concert in Stuttgart ever!“













GUNS N´ ROSES - Reunion?

Es bahnt sich eine wahre Sensation an! Gerüchten zufolge soll in Kürze eine Reunion der Originalbesetzung von Guns N´ Roses bekannt gegeben werden. Die Erzfeinde Axl Rose und Slash sollen sich angeblich nach gut 20 Jahren versöhnt haben und zum 30-jährigen Jubiläum im Jahr 2016 eine gemeinsame Tour und Auftritte bei Festivals anstreben. Neben dem ehemaligen Gitarristen DJ Ashba hat gestern auch "Mötley Crüe"-Bassist Nikki Sixx bei Twitter auf eine Frage eines Fans geantwortet, dass eine Reunion von Guns N´ Roses ein offenes Geheimnis wäre. 
Man wird sehen was daran dran ist und wie die Originalbesetzung aussehen würde. 



Dienstag, 22. September 2015

HOLLYWOOD VAMPIRES - Album und Tour

„The Hollywood Vampires“ nannte sich in den 70ern eine Clique um Club-Präsident Alice Cooper und weitere namhafte Rockstars wie John Lennon, Marc Bolan und Ringo Starr, die sich regelmäßig mit dem ambitionierten Ziel trafen, sich gegenseitig unter den Tisch zu trinken. Eine halbe Flasche Whisky pro Kopf diente da gerade mal zum warm werden.
Inzwischen haben zwar bedauerlicherweise viele der Clubmitglieder das Zeitliche gesegnet und Alice Cooper greift seit über 30 Jahren lieber zum Golfschläger als zur Flasche, aber dafür hat er zusammen mit Johnny Depp in den letzten Jahren eine neue Truppe zusammengetrommelt, und als Hommage an den ehemaligen Club eine Scheibe voller Coverversionen aufgenommen. Die Starbesetzung zu der u.a. Paul McCartney, Dave Grohl, Joe Perry, Brian Johnson und Slash gehören, hat neben den zwei gelungenen Eigenkompositionen „Raise the Dead“ und „My Dead Drunk Friends“ dabei ausschließlich Klassiker aus den späten 60ern und frühen 70ern von „The Who“, „Led Zeppelin“, „The Doors“, „The Beatles“ oder „Alice Cooper“ himself neu verpackt, interpretiert oder miteinander vermischt. Coopers Stimme und die krachenden verzerrten Gitarren passen erstaunlicherweise so gut zu den frühen Hits à la The Who´s „My Generation“, dass man fast vergisst, die Songs je in einer anderen Version gehört zu haben. 
Am meisten Spaß macht die Platte allerdings wenn die Originale neu interpretiert werden, z.B. wenn das Gitarrensolo von „Whole Lotta Love“ anfangs von Alice Cooper auf der Mundharmonika zum Besten gegeben wird oder wenn zwei Hits zum Mashup oder Medley vermischt werden, wie Alice Coopers „Schools Out“ inhaltlich passend mit der Textzeile „We don´t need no education“ aus Pink Floyds „Brick in the Wall“. Großartig dabei vor allem das Duett von Alice Cooper und AC/DC-Rockröhre Brian Johnson. Zu weiteren Juwelen gehören für mich darüberhinaus „I got a Line on you“ (Spirit) und „Itchycoo Park“ (Small Faces), welche im neuen Gitarrenwand deutlich härter und frischer klingen als das Original und außerdem Paul McCartneys roughes und improvisiert wirkendes Outro der Neuauflage von „Come and get it“ (The Beatles).
Mit dem Album wird sicherlich nicht die Rockmusik neu erfunden und Musikgeschichte geschrieben, doch es dürfte jeden Fan alter Rockmusik mit temporeichen Nummern bestens unterhalten.
Wobei es doch etwas schade ist, dass fast nur Coverversionen vertreten sind, man wäre doch neugierig gewesen wie ein komplett selbst komponiertes Album ausgefallen wäre, wenn diese geballte Genialität aus der Rockszene zusammentrifft. 

Letzte Woche bestritt die Band dann schließlich zwei begeisternde Gigs in Starbesetzung im Rock-Mekka „The Roxy“ in L.A. bevor es diese Woche zu „Rock in Rio“ weitergeht. Wenn sich dann 4 Gitarristen auf einer Bühne tummeln oder sich Gruselrocker Alice Cooper und Schockrocker Marilyn Manson nach einem gemeinsamen Duett (Alice Coopers „Eighteen“) gegenseitig „knuddeln“, wird klar, dass sich die Band nicht allzu ernst nimmt, sondern den Spaß am Rock ´n´Roll zelebriert und das Publikum unterhalten möchte, zudem der Erlös der Konzerte für Charity-Zwecke genutzt wird. Wie Cooper in einem Interview verriet, haben die Vampire nun Blut geleckt und stellen in Aussicht im nächsten Jahr ein paar weitere Konzerte zu geben und evtl. sogar bei Festivals in Europa aufzutreten. Man wünscht sich, dass die Neuauflage der „Hollywood Vampires“ länger bestehen bleibt als die Ursprungsformation!



Samstag, 22. August 2015

BUCKCHERRY - "ROCK ’N’ ROLL"

Bereits ein Jahr nach ihrer sogenannten „Fuck“-EP bringen die kalifornischen Rocker von Buckcherry ihr siebtes Studioalbum mit dem Namen „Rock ’n’ Roll“ auf den Markt. Man kann der Bandin Bezug auf ihre Titel nun wirklich nicht vorwerfen, dass sie lang um den heißen Brei redet. Wer nun aber darauf vertraut, eine Scheibe voller energiegeladener powervoller Rock ’n’ Roll-Nummern à la „All Night Long“, „Crazy Bitch“ oder „Gluttony“ zu finden, könnte etwas enttäuscht werden. 
Mit der Single „Bring It On Back“ beginnt das neue Werk ganz ordentlich, der Song geht ins Gehör und  motiviert live bestimmt zum mitsingen, allerdings kann er mit den oben genannten Single-Auskopplungen der letzten Alben nicht wirklich mithalten und gerät doch etwas harmlos. Allgemein hat Frontmann Josh Todd, der bei Live-Auftritten dermaßen über die Bohne tobt und sich die Seele aus dem Leib schreit, dass man im Backstage-Bereich schon mit Zwangsjacken bewaffnete Security wähnt, einen Gang zurückgeschalten und hält das Schrei-Level diesmal auf radiofreundlichem Niveau. Eigentlich Schade!
Weiter geht es mit „Tight Pants“, welches mit ungewohntem Bläsereinsatz überrascht und dadurch ganz erfrischend anders rüberkommt und für mich eines der Highlights des Albums darstellt. Ein Hauch von „Dude Looks Like A Lady“ von Aerosmith liegt in der Luft, der durch die folgenden Balladen und eher belanglosen Midtempo-Stücken leider wieder kurzerhand weggepustet wird. Ab Lied Nummer sechs, „The Madness“ zieht das Tempo dann glücklicherweise nochmal und auch wenn „Wood“, „Sex Appeal“ und vor allem „Get With It“ durchaus grooven, fehlt auch hier ein bißchen der besungene „Madness“-Faktor. Sicherlich besaßen auch die letzten Alben einen hohen Anteil an Balladen und ein paar weichgespülte Songs, doch im Vergleich zu „Rock ’n’ Roll“ konnten darauf die herausstechenden Hits, die hier fehlen, das wieder wettmachen. Insgesamt also sicher ein ordentliches Rockalbum, das die Hörer aber auch nicht headbangend durch die Wohnung treibt und die gewohnte Aggressivität, Originalität und die groovigen Riffs der bekannten Hits vermissen lässt. Lieber Josh Todd, bitte schreie dir auf dem nächsten Album wieder die Seele aus dem Leib, und wenn es sein muss dann benutze dabei auch wieder ein paar mehr Schimpfwörter! 






Freitag, 14. August 2015

HOLLYWOOD VAMPIRES

Während die inzwischen schon allseits bekannte Supergroup „Kings of Chaos“ mit wechselnder Besetzung durch Amerika tourt, mach derzeit eine weitere Rock-Supergroup von sich reden und steht kurz vor der Veröffentlichung des ersten Albums. Johnny Depp (Gitarre) und Alice Cooper (Vocals) haben Rocklegenden wie Paul McCartney, Joe Perry, Dave Grohl und Brian Johnson zusammengetrommelt um unter dem Namen „HOLLYWOOD VAMPIRES“ alte Klassiker wie „Whole Lotta Love“ oder ein Mashup aus Coopers Hit „Schools Out“ und „Another Brick In The Wall“ von Pink Floyd neu aufleben zu lassen. Der Name der Band bezieht sich auf Alice Coopers gleichnamigen Sauf-Club aus den 70ern zu dem sich u.a. auch John Lennon gesellte. Vier Songs des Albums, welches am 11. September erscheinen wird, stehen bereits zum Download bereit. Im Anschluss an die Veröffentlichung folgen 3 Konzerte bei Rock in Rio und im Roxy in Hollywood, bei denen neben Johnny Depp, Alice Cooper und Joe Perry auch die Ex-GNR-Mitglieder Duff McKagan und Matt Sorum mit von der Partie sind - wenn ihre andere Supergroup "Kings of Chaos" gerade pausiert.

Dienstag, 9. Juni 2015

MÖTLEY CRÜE - EUROPA / DEUTSCHLAND TOUR DATES

Während einer Pressekonferenz in London gaben Mötley Crüe und Tourpartner Alice Cooper heute ihre allerletzten Tourtermine in Europa bekannt, die durch ein Voting-Verfahren von den Fans bestimmt wurden. Darunter 3 letzte Auftritte in Deutschland, da soll es auch keinen stören, dass Europa kurzerhand um Abu Dhabi erweitert wurde. And the Winner is:

Nov 02: Newcastle Metro Radio Arena, UK 
Nov 03: Manchester Arena, UK
Nov 04: Birmingham Genting Arena, UK
Nov 06: London SSE Arena Wembley, UK
Nov 08: Stuttgart Schleyerhalle, Germany
Nov 09: Basel St Jakobshalle, Switzerland
Nov 10: Milan Mediulanum Forum, Italy
Nov 12: Monte Carlo Monaco Sporting Club, Monaco
Nov 13: Munich Zenith, Germany
Nov 14: Dusseldorf ISS Dome, Germany
Nov 16: Stockholm Ericcson Globe, Sweden
Nov 18: Helsinki Hartwall Arean, Finland
Nov 20: Abu Dhabi Arena, UEA



Donnerstag, 28. Mai 2015

MÖTLEY CRÜE - EUROPA TOUR

Nach unendlichem Warten ist es nun tatsächlich soweit: Mötley Crüe bestätigt erstmals, dass sie mit ihrer Final Tour auch die vernachlässigt gefühlten europäischen Fans beglücken werden und neben den 3 bisher angekündigten Festivalgigs einige reguläre Konzerte (inklusive Alice Cooper als Support) spielen werden. Eine kleine Hürde gibt es allerdings noch zu bewältigen, denn die Fans werden eingeladen sich auf dem Link http://demand.motley.com demokratisch für eine Auswahl an Städten zu entscheiden, darunter auch 6 Städte in Deutschland. Wenn man den restlichen Tourneeplan betrachtet, kommt als Zeitraum voraussichtlich Oktober/November in Frage. Also ran an die Tasten und fleißig voten, sonst schnappen uns noch die Finnen, Schweden und Engländer die allerletzten Auftritte in Europa weg! 


Dienstag, 10. Februar 2015

AC/DC - Chris Slade is back!

„The drum stool is under old management“, so verkündete Chris Slade seine spektakuläre Rückkehr zu AC/DC, die sich nicht nur auf den umjubelten Auftritt bei den Grammys beschränkt, sondern auch für die „Rock or Bust“-Tour in 2015 gültig ist. Chris Slade, der bereits von 1989-1994 Schlagzeuger der Band war und u.a. im Video zu „Thunderstruck“ auf seine beiden Special Bass Drums auf Schulterhöhe drischt als gäb es kein Morgen, ersetzt damit den bisherigen Drummer Phil Rudd, von dem sich die Band nach dessen Gerichtsprozessen und Drogengerüchten offiziell distanzierte.
Slade genoss auch nach der damaligen Trennung immer noch hohes Ansehen bei den Fans, genauso wie bei Gründungsmitglied Angus Young, der ihn als den „besten Musiker, der jemals bei AC/DC gespielt hat“ bezeichnete. 


Dienstag, 20. Januar 2015

MÖTLEY CRÜE - BREAKING NEWS

Die Bad Boys aus L.A. haben soeben in der amerikanischen Sendung "Fox & Friends" ihre allerallerletzten Konzerttermine der Final Tour bekanntgegeben und zudem das offizielle Video ihres "neuen" Hits "All bad things..." veröffentlicht (der ab sofort zudem auf iTunes zu erwerben ist). Nach dieser Planung wird Mötley Crüe am Silvesterabend in Los Angeles die letzte gemeinsame Bühnenshow ihrer Karriere spielen. Bis auf 3 Auftritte bei Festivals (Nova Rock, Download, Sweden Rock) wurden bisher keine weiteren Termine in Europa angekündigt, dementsprechend groß ist die Enttäuschung der europäischen Crüe-Fans auf Facebook und Twitter.
Edit: inzwischen haben Tommy Lee und Nikki Sixx reagiert und auf Twitter angekündigt, dass weitere Europa-Dates folgen werden.

Samstag, 17. Januar 2015

MARILYN MANSON - THE PALE EMPEROR

Der Antichrist startet mit einem neuen Album namens „THE PALE EMPEROR“ in das neue Jahr und löst bei Kritikern und seinen Fans kontroverse Diskussionen in den sozialen Netzwerken aus. Die einen stören sich an der ständigen musikalischen Neuausrichtung und vermissen die harten Töne der vergangenen Tage, welche radiotauglicheren Popsounds gewichen wären, die anderen werfen ihm bzw. der neuen Platte Einfältigkeit und mangelnde Kreativität vor. Und wiederum andere feiern „The Pale Emperor“ als sein bestes Album seit langem und als Wiedergeburt von Marilyn Manson. Der Fürst der Finsternis versteht es immer noch zu polarisieren, wenn auch nicht mehr so extrem wie in den Schockerzeiten der 90er Jahre. Ich war nie ein eingefleischter Hardcore-Fan, der aus Solidarität die Augenbrauen abrasiert und dessen Regal von allen 9 Studioalben geschmückt wird, aber dennoch war ich stets ein Sympathisant des „Teufels“, der von Brian Hugh Warner erschaffenen Kunstfigur „Marilyn Manson“ und einiger seiner musikalischen Werke insbesondere des von Glamrock beeinflußten Albums „Mechanical Animals“. Daher hab ich den Vorteil, mich völlig unvoreingenommen an die Neuveröffentlichung ranzutasten und muss nach dem ersten Durchhören sagen, dass ich die Kritik und Aufregung nicht verstehen kann, sondern von den neuen Songs sofort gepackt werde!

Der 46jährige Manson wirkt zwar musikalisch gereift und vermeintlich zahmer, er konzentriert sich auf das Wesentliche und gestaltet die Songs weitgehend minimalistischer als auf den Vorgängeralben, aber die Songs klingen dennoch nicht weniger düster und man kann nicht abstreiten, dass es sich immer noch um den typischen finsteren Manson-Sound handelt, der lediglich neu arrangiert und verpackt wird. Man spürt einen Blues-Einfluss im Gitarrenspiel von Tyler Bates, der auch maßgeblich am Songwriting und an der Produktion beteiligt war. Bisher machte sich dieser neue kongeniale Partner vor allem als Komponist von Soundtracks wie z.B. für „300“ oder „Guardians of the Galaxy“ einen Namen, was Manson sehr entgegenkommt wie er kürzlich in einem Interview betonte: „Ich habe immer versucht, Platten zu machen die wie Filme klingen.“
Das bereits als Single veröffentlichte „Deep Six“ ist sicherlich der Hit und das Schmuckstück des Albums und repräsentiert zugleich ziemlich gut den Stil-Mix der neuen Richtung und vollführt den Spagat zwischen früher und jetzt: der Song startet mit einem eingängigen Beat und Mansons Flüster-Stimme, geht über in eine Passage in der sich Manson wie früher zu Metal-Gitarren die Seele aus dem Leib brüllen kann und mündet schließlich in einem melodiösen catchy Refrain, der unter die Haut geht und sich erbarmungslos im Ohr festnagt. „Cupid Carries a Gun“ geht in die gleiche Richtung: eine melancholische Strophe à la „Sweet dreams“, die sich immer mehr steigert und in einen starken Refrain übergeht der ähnlich emotional packend ausfällt wie „Deep Six“. Dabei klingt immer ein bißchen Manson meets Bowie durch. Unter dieser Kategorie läuft auch „The Devil Beneath My Feet“ welches mit einem groovigen Beat startet, der meinen Fuß unweigerlich mitwippen lässt, bevor Mansons cooler und abgefuckter Gesang einsetzt. Eine tanzbare Manson-Nummer, die sich weitestgehend auf Drums, Bass und Gesang beschränkt und die auch Nachts um drei aus den Boxen eines versifften Indie-Clubs dröhnen könnte. Generell ist der groovige vorantreibende Beat mit den obligatorischen Clap-Claps ein hervorstechendes Merkmal auf der neuen Scheibe. Die Stärke von „The Pale Emperor“ liegt vor allem in dem dramaturgischen Aufbau, welcher neben den lauteren Nummern ebenfalls langsamere Songs mit akkustischen oder angezerrten Gitarrenchords beinhaltet, wie „Third day of a seven day binge“, „Warship my wrack“ und „Day 3“, die auch als Untermalung eines Roadmovies oder eines dreckigen Tarantino-Westerns funktionieren würden und die musikalische Entwicklung von Manson unterstreichen.

Insgesamt bildet das Album eine Mischung aus groovigen Beats, elektronischen Einflüssen, Heavy-Gitarren, melodiösen und eingängigen Refrains mit bluesigen Elementen, einer Brise David Bowie und der typischen finsteren bedrückenden Stimmung und Mansons unverwechselbare Stimme. - Für mich ein Geniestreich, durch den man nicht daran vorbeikommt, Manson als Künstler und Musiker zu schätzen! Der Fürst der Finsternis ist zurück!

























Marilyn Manson - The Pale Emperor
Tracklist:

01. Killing Strangers
02. Deep Six
03. Third Day Of A Seven Day Binge
04. the Mephistopheles Of Los Angeles
05. Warship My Wreck
06. Slave Only Dreams To Be King
07. The Devil Beneath My Feet
08. Birds Of Hell Awaiting
09. Cupid Carries A Gun
10. Odds Of Even

Deluxe Version:
11. Day 3  
12. Fated, Faithful, Fatal   
13. Fall Of The House Of Death  

Montag, 24. November 2014

Billy Idol - Konzertbericht Stuttgart

Mittwoch Abend war endlich mal wieder Zeit für einen gepflegten Männerabend - und was bietet sich dafür mehr an, als ein paar Bier (zum einmaligen Schnäppchenpreis von 5 Euro) zu kippen und lauthals die 80er-Hits von Billy Idol mitzugrölen, wenn dieser schon mal höchstpersönlich in Stuttgart gastiert? Auf diese grandiose Idee kamen wohl noch mehr, so fällt beim Betreten der leider nur halb besetzten Porsche-Arena der hohe Männeranteil abseits der Ü40 auf. Selbst die letzten weiblichen Groupies, die beim Konzert vor 9 Jahren noch mit hochgerissenen Shirts um die Aufmerksamkeit des Sexsymbols der 80er und 90er Jahre buhlten, scheinen inzwischen entweder zu One Direction gewechselt zu haben oder zuhause die Kinder zu hüten. Doch der Testosteron-geladenen Stimmung tut dies keinen Abbruch, was man bereits an dem gelungenen Auftakt der Vorband „The Dough Rollers“ merkt, die kräftig einheizt bevor der ewige Rebell Billy Idol mit seinem neuen Song „Postcards from the Past“ die Bühne erobert. Der Punker der ersten Stunde, der Ender der 70er in England mit der Band „Generation X“ seine Karriere begann und damals zusammen mit den „Sex Pistols“ die Punkrevolution vorantrieb, ist immer noch bestens in Form - sowohl stimmlich als auch körperlich. Auf den üblichen Schnickschnack wie eine Videoleinwand und sonstige Gimmicks wird weitgehend verzichtet, was man während des zweistündigen Sets aber auch nicht wirklich vermisst. Zu sehr ist man damit beschäftigt, das reiche Angebot der Hits zu feiern, die Schlag auf Schlag folgen („Cradle of Love“, „Dancing with myself“, „Flesh for Fantasy“, „Ready Steady Go“,...) und den charismatischen Sänger zu erleben, der sich gewohnt volksnah gibt, das Publikum mit seinen „Yeahs“ und „C´mons“ antreibt, diabolisch in die Menge grinst und während Gitarrensoli und Pausen gerne mal Autogramme für die ersten Reihen schreibt - wenn er sich nicht gerade zum 11. Mal umzieht. Durch seinen kongenialen Partner an der Gitarre, Steve Stevens, der in alten Zeiten den Riff zu Michael Jacksons „Dirty Diana“ beisteuerte und dem „Top Gun“-Soundtrack zu einem Oscar verhalf, klingen die Nummern sofort zwei Stufen rockiger als auf dem Album und sogar die Songs der etwas softer geratenen neuen Scheibe „Kings & Queens of the Underground“ gliedern sich perfekt in die Setlist ein und wirken plötzlich wie typische Billy Idol-Hits. Nachdem die Fans es ihrem „Idol“ nach dem Höhepunkt der Show „Rebel Yell“ am liebsten gleichtun würden, in Ekstase das Shirt vom Leib zu reißen, legt dieser mit „White Wedding“ und „Mond Mony“ zwei weitere Kracher nach und beschließt mit seinem Versprechen im nächsten Jahr zurückzukommen einen perfekten Männerabend.


Mittwoch, 19. November 2014

Lenny Kravitz - Konzertbericht Stuttgart 2014

Es war der Moment des Abends, als Lenny Kravitz während des Titelsongs seines Debut-Albums „Let Love rule“ einen Ausflug zu den Zuschauerplätzen rechts und links von der Bühne unternahm und dadurch die abseits liegenden Sitzplätze zwischenzeitlich zur ersten Reihe upgradete. Im Anschluss erntete er dafür frenetischen Applaus von allen Rängen, das Eis war endlich gebrochen, nachdem der gebürtige New Yorker in den knapp 2 Stunden zuvor - hinter einer dicken Sonnenbrille versteckt - perfekt den unnahbaren Rockstar mimte, sich in Jack Sparrow-Manier am Mikrofon entlangschlängelte und hin und wieder die üblichen Floskeln à la „it´s a pleasure to be here“ nuschelte. Musikalisch überzeugte Lenny Kravitz, der auf den Studioalben die meisten Instrumente selbst einspielt, mit seiner zehnköpfigen Liveband von Anfang an und bot einen bunten Mix aus Klassikern wie „Always on the run“, Charts-Hits wie „Fly away“ und „It ain´t over ´til it´s over“ und neuen Lieder aus dem aktuellen Album „Strut“. Die Songs drifteten dabei öfters in nicht endende Wiederholungen, Variationen, und Improvisationen, und bis jeder Saxophonist und Keyboarder sein Solo zum Besten gab, konnte ein Lied auch schnell mal 15 Minuten dauern. Musikalisch wie gesagt auf höchstem Niveau, durch die Überlängen der Songs wurden allerdings weitere populäre Lieder wie „Where are we running“, „Mr. Cab Driver“ oder „Rockstar City Life“ aus der Setlist gestrichen, die insgesamt 14 Lieder beinhaltet. Das ist wahrlich Jammern auf hohem Niveau. Die Band bestehend aus großartigen Musikern schenkte den Fans in der Stuttgarter Schleyerhalle ein mehr als solides Rockkonzert, eine beeindruckende Video- und Lightshow und mit „Are you gonna go my way“ ein Finale, das die Menge synchron in die Luft springen ließ.


Sonntag, 28. September 2014

SLASH - World on Fire

SLASH (feat. Myles Kennedy and the Conspirators) meldet sich mit seinem neuen Album „World on Fire“ eindrucksvoll zurück, wobei er nahtlos an den Stil und die Qualität des Vorgänger-Albums „Apocalyptic Love“ anknüpft und im Rennen um das Rockalbum des Jahres schon mal seinen Zylinder in den Ring wirft. Nach Jahren der Unbeständigkeit seit dem Ausstieg bei Guns N´ Roses (Slashs Snakepit, Velvet Revolver, Slashs Soloalbum mit diversen Sängern), hat er in der Zusammenarbeit mit Myles Kennedy endgültig seine 2. Familie und neue musikalische Heimat gefunden. Von der ersten Sekunde an gibt Gitarrengott Slash auf dem neuen Werk Vollgas und brennt in den insgesamt 17 Songs ein regelrechtes Rock´n´Roll-Feuerwerk ab, so dass der Zuhörer nur bei den langsameren Balladen "Bent to fly" und "Battleground" eine kurze Verschnaufpause findet. Wer an "Apocalyptic Love" Gefallen gefunden hat und auf puren powergeladenen Rock ´n´ Roll steht, wird also auch vom neuen Album begeistert sein und insgesamt 1 Stunde 17 Minuten bestens unterhalten sein ohne die "Skip"-Taste in Anspruch nehmen zu müssen.

Playlist:
1.   World on Fire
2.   Shadow Life
3.   Automatic Overdrive
4.   Wicked Stone
5.   30 Years to Life
6.   Bent to Fly
7.   Stone Blind
8.   Too Far Gone
9.   Beneath the Savage Sun
10. Withered Delilah
11. Battleground
12. Dirty Girl
13. Iris of the Storm
14. Avalon
15. The Dissident
16. Safari Inn
17. The Unholy